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Das Stück

Das Stück spielt in einer Dorfschenke an der Küste von Mayo im Westen Irlands, in einem Herbst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Völlig verstört betritt Christopher (genannt Christy) Mahon das Wirtshaus von Michael James Flaherty. Er glaubt, im Zorn seinen Vater erschlagen zu haben, der ihn von Kindheit an schlecht behandelt hat. Statt Christy moralisch zu verurteilen, zeigen die Anwesenden Verständnis und Bewunderung für die Tat, was den jungen Mann ermutigt, seine Geschichte auszumalen. Zum ersten Mal erfährt Christy die Anerkennung, die ihm bisher versagt geblieben ist. Zudem hat er sich in die Wirtstochter Pegeen verliebt, die ihrerseits ebenfalls Interesse an Christy erkennen lässt.

Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, den er als Vatermörder errungen hat, erscheint der angeblich Tote und beginnt das Bild des Helden Christy Mahon zu demontieren. Es kommt zu einem Streit zwischen den beiden, der damit endet, dass Christy seinen Vater diesmal offenbar wirklich erschlägt. Doch seine einstigen Bewunderer, die angesichts des tot Daliegenden den Unterschied zwischen einer „romantischen Geschichte und einer schmutzigen Tat" begreifen, wenden sich nun gegen den „Helden" und fesseln ihn. Da steht der für tot gehaltene Vater erneut auf und befreit seinen Sohn. Voller Spott über die beschränkten Bauern kehren sie dem Dorf den Rücken und ziehen einem ungewissen, aber freiem Leben als Landstreicher entgegen.

Diesem Spektakel um einen vermeintlichen Vatermord liegt eine wahre Begebenheit - eine vollendete Mordtat - zugrunde, von der Synge während seiner Studien auf den Aran-Inseln erfuhr.

Das Werk ist erfüllt von absurden Widersprüchen und ironischer Tiefgründigkeit. Indem es Farce, Tragik, Komödie und Traumspiel vereint, macht es eine eindeutige Interpretation unmöglich. Jedoch weisen alle Motive, Ereignisse und Aussagen auf ein zentrales Thema, das in Synges Werk immer wiederkehrt: die Lösung des Menschen von den Fesseln seiner Umgebung und die Suche nach einem freien, selbstbestimmten Leben.

Bei der Uraufführung löste das Drama einen Skandal aus, weil sich die irischen Zuschauer in ihrer Ehre gekränkt fühlten. Außerdem warf man dem Autor vor, dass er den Vatermord verherrliche. Heute gilt der Dreiakter nicht nur als Synges bedeutendstes Werk, sondern auch als Klassiker des modernen englischsprachigen Theaters.

Quelle: Gert Woerner in: Harenberg Schauspielführer (1997), S. 1073

Der Autor: John Millington Synge (16.04.1871 - 24.03.1909)

Die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Irland einsetzende literarische Neuerungsbewegung war von dem Streben nach kultureller Unabhängigkeit von England und der Wiederbelebung der irischen Tradition geprägt. Das wichtigste Forum dieser „keltischen Renaissance" wurde die National Dramatic Society. Enttäuscht über die typisch britischen Gesellschaftskomödien der beiden Anglo-Iren Oscar Wilde und George Bernard Shaw hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, irische Themen und irische Volkscharaktere auf die Bühne zu bringen. John Millington Synge entwickelte sich in wenigen Jahren zum bedeutendsten Vertreter der nationalen irischen Dramatik.

Nach Sprachen- und Musikstudien am altehrwürdigen Trinity College in Dublin sowie in Deutschland und Paris hatte Synge den entscheidenden Impuls, sich mit gälischer Kultur und Folklore zu beschäftigen, von dem sechs Jahre älteren Dichter William Butler Yeats erhalten, der ihm empfahl, auf den Aran-Inseln vor der Westküste Irlands Eindrücke von ihrer Landschaft und vom urwüchsigen, entbehrungsreichen Leben der Bevölkerung zu sammeln. Die Erfahrungen und Aufzeichnungen, die Synge nach vierjährigen Studien 1902 von den Inseln mitbrachte, wurden zum Grundstoff seiner Bühnenwerke, die mit ihrer bilderreichen Sprache und einer Mischung aus Tragik und Komik, krassem Realismus und mythischer Poesie die Eigenart irischen Wesens und irischer Selbstdarstellung unübertroffen kraftvoll zum Ausdruck bringen.

Dabei galt Synge seinen Landsleuten zunächst eher als verrucht. Bereits die Uraufführung seines ersten Stücks, des Einakters „Die Nebelschlucht" bzw. „Im Schatten des Tals" (UA 1903), in dem es um das Liebesabenteuer einer untreuen Ehefrau geht, verletzte das Moralempfinden des Publikums. Bei der Premiere zu „Der Held der westlichen Welt" [bzw. „Ein wahrer Held"] (UA 1907) kam es sogar zu nationaler Empörung gegen den „Nestbeschmutzer". Heute erkennen auch die Iren diese spannungsreiche Tragikomödie als Synges Meisterwerk an, während die deftige Komödie „Kesselflickers Hochzeit" (UA 1909) strengen Katholiken noch immer suspekt erscheint. uneingeschränkte Anerkennung bei der ganzen Nation fand dagegen die einaktige Araninsel-Tragödie „Reiter zu Meer" (UA 1904) mit ihren archetypischen Frauengestalten.

Seit 1904 war Synge Mitdirektor des von Yeats und Lady Gregory, der Grande Dame des irischen Theaters, gegründeten Abbey Theatre, das außer dem „Helden der westlichen Welt" noch zwei seiner insgesamt sechs Stücke uraufführte: „Die Quelle der Heiligen" bzw. „Wenn die Blinden sehen" (UA 1905), die Geschichte einer Wunderheilung, und postum die Volksballade „Deirdre of the Sorrows" (UA 1910).

Im Alter von 37 Jahren starb der „Dichter irischer Wirklichkeit und Fröhlichkeit" an Krebs.

Quelle: Gert Woerner in: Harenberg Schauspielführer (1997), S. 1072

Die Rollen und ihre Darsteller

Christopher Mahon: Daniel Runge · Der alte Mahon (Vater): Hans-Erich Jürgens · Michael James Flaherty (Michael James): Reiner Plorin · Margaret Flaherty (Pegeen Mike): Monika Rolf-Schoderer · Witwe Quin: Ursula Gerhardt · Shawn Keog: Bernd Hahnfeld · Philly Cullen: Hans Deß · Jimmy Farell: Volker Lindemann · Sara Tansey: Konstanze Görres-Ohde · Susan Brady: Hanne Wirth-Vonbrunn · Honor Blake: Marion Loets · Nelly: Sabine Schmidt

Regie: Sören Fenner

Aufführungen