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"Wir tun es spät, sehr spät, vielleicht zu spät", gestand gestern Justizsenator Hardraht, als er eine Gedenktafel für die Opfer der Nazi-Justiz am Eingang des Oberlandesgerichts enthüllte. 118 Todesurteile und anderes Unrecht hatten braune Juristen zwischen 1933 und 1945 gesprochen. Eines dieser Urteile brachte das Hamburger Richtertheater am 9.5.1995 in Form eines "lebenden Bildes" in Erinnerung: 1944 hatte ein Kohlenarbeiter bei einem Klönschnack auf der Straße gesagt, der Krieg könne nicht gewonnen werden. Ein Gestapo-Mann hörte zu, nahm ihn fest. Die Hamburger Richter verurteilten ihn als gemeinschaftsfeindlichen Kommunisten" wegen "Feindbegünstigung und öffentlicher Wehrkraftzersetzung" zum Tode.  Am 24. März 1945, wenige Tage vor der Befreiung, starb er unterm Fallbeil.

"Wir schämen uns. Richter wurden zu blutigen Helfern eines Terror-Regimes", sagte Hardraht. Amtsrichter Jürgens forderte ein "würdiges Denkmal" zwischen den drei Gerichtsgebäuden am Sievekingplatz. Hardraht hat für das lange geplante Mahnmal einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben - in den nächsten zwei Jahren aber werde wegen der Sparpolitik kein Geld dafür da sein.

Quelle: Hamburger Morgenpost vom 10.5.1995 - Fotos: Hamburger Richtertheater
Foto rechts: Amtsrichter Hans Erich Jürgens war Mitglied des Hamburger Richtertheaters

Mahnmal

Im Auftrag der Justiz- und der Kulturbehörde erstellte die Künstlerin Gloria Friedmann 1997 ein Mahnmal für die Justizopfer des Nationalsozialismus, das am Vorplatz des Oberlandesgerichtes angelegt ist. Ein grauer Betonquader mit der Inschrift 1933 und eine farbige Großaufnahme Hamburgs bilden das Zentrum, es wird ergänzt durch 90 Eisenstelen, auf denen verschiedene Pflanzen in Töpfen wachsen, zum Beispiel Rosen neben Brennnesseln oder Heilkräuter neben giftigen Pflanzen. Dadurch sollen verschiedene Kulturen, Religionen, soziale Milieus und Nationen symbolisiert werden. Die Anlage ist mit zwei Gedenktafeln versehen.

1933 - auf der grauen Betonfläche mahnt eine kühle Zahl jene, die heute Recht sprechen:

Tafelinschrift I

Die deutsche Justiz war willfähriges Instrument der nationalsozialistischen Diktatur. Richter und Staatsanwälte vollstreckten vom Rassenwahn geprägte Gesetze gegen Juden Polen, Russen und andere Gruppen. Fast alle beschwiegen das Unrecht, Widerstand leisteten nur wenige.
Hamburg heute - hier leben die Menschen, die bei den umliegenden Gerichten Recht suchen. Davor Eisenstelen mit Pflanzen, einheimische und fremde, heilende und giftige, dornige und mimosenhafte. Sie stehen da für die Hamburger Bevölkerung. In ihrer Vielfalt haben alle Anspruch auf Pflege so wie die Menschen den Anspruch auf Gleichheit vor dem Recht. Hier + Jetzt: Ein Ort der Rechenschaft und ein Ort der Verantwortung für das Vielfältige, jeden Augenblick neue Geschehen.
Gloria Friedmann hat dieses Mahnmal im Auftrag der Justiz Hamburgs geschaffen (Oktober 1997).

Tafelinschrift II

Wir gedenken der Opfer, die von 1933 - 1945 durch Richter und Staatsanwälte der Hamburger Justiz entrechtet, mißachtet, gequält, ihrer Freiheit beraubt und zu Tode gebracht worden sind.
Ihr Leiden ist unsere Mahnung.

Quellen
Text: Justizforum Hamburg (Wikipedia) Foto: emma7stern

Aufführung  Presse

Artikel zum Thema Karin Wiedemann: Die Enthüllung - Gedenktafel für die Opfer nationalsozialistischer Justiz (pdf)