Aktuell: Wir haben Die Benachrichtigung von Václav Havel im November 2017 in Hamburg gespielt. Weitere Aufführungen wird es in 2018 geben.

 

In den Jahren 1982/1983 wagten einige Hamburger Juristinnen und Juristen den Spagat zwischen Beruf und kultureller Betätigung und gründeten das Hamburger Richtertheater.

Es entstand anlässlich der Vorbereitung des 6. Richterratschlags zum Thema „Ziviler Ungehorsam“, die Hamburger Kolleginnen und Kollegen übernommen hatten. Als Kulturbeitrag führten wir im Februar 1984 das Theaterstück Der Prozess gegen die Neun von Catonsville des amerikanischen Friedensaktivisten und Schriftstellers Daniel Berrigan unter der Regie unserer damaligen Regisseurin Elisabeth Scherf auf. Dargestellt wurde dabei der Strafprozess, der in den USA den Mitgliedern einer Friedensgruppe gemacht worden war, weil sie bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg staatliche Wehrerfassungsakten verbrannt hatten. In dem Prozess haben Staatsanwaltschaft und Gericht die Angeklagten daran zu hindern versucht, die Hintergründe und ihre Motive darzustellen. Dieses Stück wurde in der Folgezeit noch häufiger aufgeführt, zuletzt im Sommer 2000.

Im Jahr 1986 folgte mit Victoria, die Computer sind da ein Stück unserer Regisseurin Elisabeth Scherf. Das beklemmende, aber auch witzige Stück setzte sich mit Orwellschen Visionen von der totalen Computerüberwachung auseinander.

Die Veranstalter des 1. Deutschen Vormundschaftsgerichtstags baten uns 1988, ein aktuelles Theaterstück zur Reform des Vormundschaftsrechts aufzuführen. Daraufhin erarbeitete unsere Juristentruppe das Stück Kommt Ihr erst 'mal in mein Alter. Hierfür hatte Elisabeth Scherf eine neue Theaterform kreiert: das Simultantheater. Auf zwei nebeneinander liegenden Bühnen wurden unterschiedliche Entwicklungen derselben Lebenssituation gleichzeitig gespielt. Auf Einladung des Bundesjustizministeriums haben wir dieses Stück auch bei der offiziellen Vorstellung des Kabinettsentwurfs eines Betreuungsgesetzes im Februar 1989 in Bonn gespielt. Weitere Aufführungen folgten.

Im Jahr 1991 brachten wir das Stück Ein wahrer Held von John Millington Synge unter der Regie von Sören Fenner zur Aufführung. Das Stück stellt dar, wie jemand zum Helden stilisiert und genauso schnell wieder fallen gelassen wird, und wie der Blick für eigentliche menschliche Werte dabei verloren geht.

Die Brandanschläge gegen Asylbewerberheime in Deutschland veranlassten uns, ein Theaterstück über Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit zu suchen. Als geeignet erschien uns das Requiem Ein Jud aus Hechingen von Walter Jens, wobei Elisabeth Scherf dieses Stück um das Simultanstück Paul Levi – ein Jurist verlässt Deutschland ergänzte. Auch dieses Theaterstück haben wir mehrmals aufgeführt, zuerst auf dem Richterratschlag im Januar 1995.

In den Jahren 1998 und 1999 folgte die politische Revue ... teilen, nicht sparen!, mit dem das Problem der Arbeitslosigkeit thematisiert wurde. Rainer Naujoks schrieb dazu Musik und Texte, die kurzweilig und witzig, aber auch bitterböse waren und die soziale Wirklichkeit spiegelten und Auswege aus dem Dilemma andeuteten. Im Rahmen dieser Revue wagte sich das Hamburger Richtertheater auch an so schwierige Dinge wie Gesang und bayrischen Schuhplattler.

Unter der Leitung unserer jetzigen Regisseurin Karen-Ann Roschild wandten wir uns 2001 mit dem Stück Der Reichtum von Aristophanes einer klassischen Komödie zu. Dort ging es um die Frage, welche Konsequenzen es hätte, wenn der Reichtum auf einmal zu allen Menschen käme.

Es folgte eine Produktion, die einen zunächst scheinbar nichtigen Rechtsstreit zum Gegenstand hatte, der aber eine geradezu erschreckende Eigendynamik entwickelte. Im Mai 2004 haben wir im Kellertheater in Hamburg das Theaterstück Der Prozess um des Esels Schatten auf die Bühne gebracht, eine von unserer Regisseurin Karen-Ann Roschild erarbeitete Bühnenfassung des Hörspiels von Friedrich Dürrenmatt. Es ging dabei, wie der Titel schon andeutet, um einen Zivilprozess, der aus reiner Engstirnigkeit und Prinzipienreiterei um eine Nichtigkeit geführt wird und an den sich im weiteren Verlauf aus eigensüchtigen und sachfremden Motiven zahlreiche Trittbrettfahrer anhängen, bevor das Ganze in einer einzigen Katastrophe endet, bei der es letztlich nur Verlierer gibt. Weitere Aufführungen in Hamburg, Potsdam (anlässlich des Richterratschlages 2004) und Schleswig folgten.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde es wieder etwas ernster. Wir muteten uns und unserem Publikum das Schauspiel Die Rundköpfe und die Spitzköpfe zu, mit dem Bertolt Brecht seine Faschismustheorie künstlerisch umsetzte. Das Stück thematisiert das Phänomen, wie leicht ganze Bevölkerungsgruppen durch die Herrschenden zu politischen Zwecken zu Sündenböcken gemacht werden können. Insgesamt führten wir das Stück in Hamburg und Schleswig fünfmal auf.

Als nächstes Stück wählten wir die Komödie Frank V. von Friedrich Dürrenmatt aus, die wir im Frühjahr 2010 in Hamburg und Schleswig insgesamt fünfmal aufführten. Das Stück schildert den Niedergang einer Privatbank, in der - gelinde gesagt - nicht ausschließlich mit legalen Mitteln gearbeitet wird. Etwaige Parallelen zur weltweiten Bankenkrise waren natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Die folgende Produktion war eine tragikomische Groteske, ein bitterböses Märchen: Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz.

Unser erster Krimi war Und dann gab's keines mehr von Agatha Christie. Er hatte am 21.3.2015 Premiere. Weitere Aufführungen gab es im März und im November 2015. Das Hamburger Abendblatt hat über die Generalprobe berichtet:


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Unser aktuelles Stück ist Die Benachrichtigung von Václav Havel. Wir haben es im November 2017 in Hamburg gespielt. Weitere Aufführungen wird es in 2018 geben.

Alle Aufführungen des Hamburge Richtertheaters

Das Hamburger Richtertheater
im Oktober 1984

hintere Reihe: Claus-Dieter Loets, Volker Lindemann, Heiner Wegemer, Manfred Krause, John Gelübcke
mittlere Reihe: Bernd Hahnfeld, Joachim Katz, Reiner Plorin, Hans-Erich Jürgens
vordere Reihe: Elisabeth Scherf, Doris Tritschler, Sabine Schmidt, Birgit Gantz-Rathmann, Konstanze Görres-Ohde, Marion Raben

 

Das Hamburger Richtertheater ca. 1997

ganz hinten: Elisabeth Scherf
davor: Sabine Schmidt, Konstanze Görres-Ohde, Doris Alexy-Girardet, Heiner Wegemer, Robert Göhring, Hans-Erich Jürgens, Volker Lindemann
davor: Sabine Happ-Göhring, Bernd Hahnfeld, Marion Loets, Monika Rolf-Schoderer

 

 

Das Hamburger Richtertheater
im Januar 2008

hintere Reihe: Volker Bruns, Thorsten Schmidt, Silke Dageförde, Robert Göhring, Eva Reihl
mittlere Reihe: Cornelius von Nerée, Ulrich Engelfried, Claudia Walz, Thomas Meyn
vordere Reihe: Heiner Wegemer, Hans Deß, Sabine Happ-Göhring, Volker Lindemann, Marion Loets, Carsten Rinio
ganz vorne: Claus-Dieter Loets

 

Das Hamburger Richtertheater
im August 2012

hintere Reihe: Thorsten Schmidt, Ulrike Basdorf, Thomas Meyn, Carsten Rinio, Robert Göhring, Volker Lindemann
vordere Reihe: Karen-Ann Roschild, Volker Bruns, Claudia Walz, Maike Flemming, Ulrich Engelfried, Marion Loets, Claus Loets, Sabine Happ-Göhring, Julia Flatau, Heiner Wegemer